nditionalsätze sei bemerkt, dassder Ags. drei arten derselben kennt; die den Lat. entsprechen, nämlich 1. Vordersatz: indicativ , naclisatz: indicativ. 2. Vordersatz: conjunctiv, nachsät/.: ind. od. imp. ;i. Vordersatz: conjunctiv, nachsatz: conjunctiv. Der letztere fall ist ziemlich selten. Die conjunctiou />(el wird mit indicativ und conj. verbunden, mit dem indicativ dann , wenn mit dem durch ßcei eingeleiteten satz etwas wirkliches, was entweder schon geschehen ist oder unbedingt sich ereig- nen wird, ausgedrückt werden soll, mit conj. dann, wenn in demselben eine beziehung auf die zukunft, wünsch, hoffnung oder möglichkeit sich findet, demgemäss steht nach dem /net, welches ein ui finale oder ein ut der beabsichtigten folge vertritt, der conjunctiv, nach einem /'ö'/, welches für ein ut conseculivutH atdit, der indicativ; vertritt dagegen /»re^ den aecusativ cum infinitivo des Lat., dann steht entweder indicativ (lat. inf. praes. od. perf.) oder conjunctiv (lat. inf. fut.). l'ritt ein indicati- ') Ei)ische forme!, vgl. ausser Ags. auch Ahd. Um dir dm eilen laoc, Hild. 55. ÜBER ANDREAS. 483 visclier mit pcet eingeleiteter satz in die indirecte rede, bekommt er selbstverstiiudlich den conjuuctiv. Zu untersuclmngen auf syntactisciiem gebiete, die einen unterschied zwischen unsern dichtungen liervorheben werden, bietet nur dreierlei anlass, nämlich: die Verwendung zweier pronomina; die Verknüpfung der Sätze untereinander; der gebrauch der praepositionen. Die beiden pronomina sind die demonstrativa se seö pcet und l?es peös pis. Der unterschied in ihrer Verwendung ist folgender. In OW. wird se seö pcet gebraucht als prouomen demonstrativum vor direct fol- gendem relativ, vor Substantiv oder adjectiv mit folgendem relativ, oder auch vor subst. und adj. ohne entsprechendes relativ; in bei weitem den meisten fällen jedoch vertritt es nur den bestimmten artikel; im An. ist die Verwendung insofern verschieden, als die fälle, in denen se seö pcet nur artikel ist, weit seltener sind, dass also dem pronomen die demonstrative bedeutung noch weit mehr innewohnt, als dies in CVV. der fall ist. Es muss natürlich auffällig erscheinen, dass gerade der An., der doch sicher später anzusetzen ist, als CW. der ursprünglichen be- deutung eines demonstrativ -prouomens treuer bleibt, als frühere dich- tungen, besonders wenn man bedenkt, dass dies pronomen später seine ausschliessliche Verwendung als artikel fand. Es kann diese ersclieinuug eben nur in der individualität des Verfassers liegen, dem die demonstra- tive kraft von se seö pcet nocli mehr vorgescliwebt haben mag, als dem Cy. Nur als artikel wird es auch im An. immerhin oft genug verwen- det, so oft mit folg. subst. oder adj. zur bezeiclinung uns aus den ge- dichten längst bekannter personen, z, b. se hälga (von Mattheus, An- dreas , auch von Gott) se cedelin^, se maga, se änhaga, se a^ld'ca , wie auch in CW. : se häl^a, seö häl^e, seö ead^e, seö fcemne. Da nun Cy. se seö pcet in den meisten fällen als artikel verwen- det, und dies pronomen seine demonstrative kraft mehr und melir ver- liert, ist es kaum zu verwundern, dass dann, wenn ein pronomen mit ausgeprägt demonstrativer kraft gebrauclit wird , jenes andere pronomen J>es peös pis, das in abgescliwäcliter bedeutung als artikel nirgends vor- kommt, an dessen stelle tritt, und so liarmoniert denn mit dieser er- scheinung auch der umstand, dass eben dies f^es peös pis in CW. sich im Verhältnis öfter gebraucht findet, als im An. Ihrer verszahl nach stehen sämmtliche werke des Cy. hinter dem An. zurück und doch findet in ihnen pes peös pis eine weit öftere Verwendung mit Jul. als einziger ausnähme, die, mit weniger als der hälfte verse, dem An. ge- genüber dennoch nur um ein geringes im gebrauch von pes hinter die- sem zurückbleibt. Der zweite punkt, der hier zu besprechen ist, ist die Verknüpfung der Sätze unter einander. Dieselbe ist in den meisten fällen nur eine durch den sinn gegebene, olme dass sie äusserlich durch worte bezeichnet würde, so besonders in beschreibenden partien und in der rede; etwas anderes ist es in den erzählenden stücken, wo mit beginn eines neuen Satzes auch meist ein fortgang in der handlang bezeichnet wird. Beim An. kommt noch hinzu , dass auch in der beschreibung und in den reden die sätze nicht gut unverbunden neben einander stehen konnten, 484 FRITZSCHE, da sie oft zu grossen perioden ausgebaut waren , denen noch überdies oft der schmuck und die abwechselung des uebensatzes fehlte. Eine Verknüpfung der einfaclisten art, durch ^ mid' war niclit gut anwendbar, eben wegen der länge der sätze; in C W. konnte dies bei den kürzeren Sätzen leichter geschehen, und in der tat weisen auch die werke des Cy. eine häufigere Verwendung dieses satzverbindenden and auf, als An., anderseits hat aber and als partikel zwischen teilen ein und desselben Satzes, zwischen subjecten, objecten etc. im An. eine weitere ausdehnung gefunden, als in CW. So griff denn der dichter des An. zu einem ande- ren mittel, seine sätze gehörig zu verbinden. Neben jener anknüpfung, die der sinn vermittelt und diesem and, bedient sich der Ags. auch eines ferneren mittels, des wörtchens pä unserem 'und da' vielleicht nicht mit unrecht zu vergleichen. In einem falle ist dies pä in der epischen poesie noch nicht beliebt, nämlich bei einführung von rede und gegenrede; hier wird in der regel der bekannte epische formelvers ver- wendet. In den späteren producten der Ags. poesie gewinnt pu gerade in diesem falle bedeutend au umfang. — Cy. gebraucht diese art der anknüpfung massig uft, meist nur um fortschritt in der handlung anzu- deuten. So ist es in der natur der sache begründet, dass pä in den Rats., dichtungen ausschliesslich beschreibenden Charakters, nur sehr selten vorkommt und es lassen sich in den 1200 versen der Rats, kaum mehr als S solcher fälle auffinden (/)« = Lat. 6'?<m, und />« = verschiedene formen des demoustr. pron. bleiben hier selbstverständlich unberück- sichtigt). Im Cri. , in dem der fortgang der handlung bei dem hymnen- artigen character dieses werkes nur ein äusserst langsamer ist, zählt man dies pä c. 2.5 mal. Rascher schreitet die handlung in Jul. uud El vorwärts , und so war auch ö fter anlass zu diesem hilfsmittel geboten und wir begegnen ihm in dieser c. 80, in jener c, 50 mal. Eine fast er- schreckende ausdehnung hat diese anwendxing im An. erlangt; hier zeigt sich dies pu der anknüpfung auf 1724 versen fast 150 mal, auf je 100 versc mindestens S mal. Es ist durchaus nicht selten, dass vier und mehr aufeinander folgende perioden alle mit diesem pä beginnen, der grund hierzu mag zum teil auch in der Griechischen quelle mit der häufigen Verwendung des dt liegen, sclü5n und gefällig ist diese allzu häufige art der anknüpfung gewis nicht, und es macht ungefähr den- selben peinlichen eindruck , den wir empfinden, wenn wir gezwungen sind, der langen gescliichte eines schlechten erzählers zuzuhören, der jeden neuen satz mit den Worten 'und da' beginnt. Ferner blasst auch das adverb und die conjunctiu loci pii'r ab und steht oft gleich jenem 'pä ohne beziehung auf den ort , verhältnis- mässig selten in (^W., ziemlicii oft im An., ja sogar beide verbunden pä pwr, ohne jede beziehung auf den ort, kommen nicht gar selten vor, daneben aucii and pä. In ähnlicher weise wird das adverb nu (nunc) wie in der Deutsciien spräche das unl>etonte 'nun'') verwendet, im An. wieder in weit grösserem umfange, als in CW. Schliesslich dient im Au. ') Z. b.: 'nun aproclie mir eiuer noch vun treue und redlichkeit'. ÜBER ANDREAS. 485 r.nr anknüpfiing von sützcn auch /v) ;zi( (itenim), eine verbindunt;-, die sieh in CW. gar nicht findet. Wir kommen zum dritten der oben angeregten punkte , zum ge- brauch der praepositionen, eine betrachtung, die uns zu unserem näch- sten capitel, dem abschnitt über den wortscliatz, überleitet und füglich auch in diesem eine stelle finden konnte. Bei den praepositionen zeigt sich ein unterschied nicht sowol betreffs des bei denselben verwendeten casus, bevorzugung eines besonderen ge- brauches in einer bestimmten l)edeutung oder charakteristischen Ver- wendung, die liier geln-äuchlich wäre und dort fehlte, als vielmehr hin- sichtlich ihrer beliebtheit, hinsichtlich der zahl ihrer Verwendung. Vor- her noch eine bemerkung: es entfallen in El. auf 100 verse c. 50 praepos., in Jul. und Cri. je 42, in An. 45. Hinsichtlich der beliebtheit nimmt 07i den ersten platz ein, sodann folgen in, tu, ofer, mid , purh, of. Ein unterschied zwischen CW. und An. ergibt sich bei folgender betrachtung. Während im An. auf 100 angewendete itraepositionen sich in nur 8 mal findet, zählen wir dieselbe im Cy. durchschnittlich 16 mal. umgekehrt ist es mit ofer und of. Das genauere Verhältnis lehrt die tabelle '), sie zeigt zugleich, dass von je 100 gebrauchten praepositionen diese 7 beliebten in An. 79, in CW. 07 stellen einnehmen, dass somit für c. 20 weitere praepositionen im An. nur 21, in CW. 33 stellen freibleiben, so dass im C)'. das Verhältnis bezüglich der Verwendung der einzelnen praepositionen mehr ausgeglichen ist, als im An. Oft findet sich die praeposition dem von ihr regierten nomen oder pronomeu nachgestellt und zwar dann , wenn die praeposition den Stab- reim trägt oder in einer nicht reimenden hebung steht; der erstere fall: An. 99, 711, 947, 1101, 1220, El. 108, 319, 410, 567, 609, 637, 667, 1105 und sonst oft; seltener der letztere fall: An. 299 (^lässt zugleich den reim des folg. verses anklingen) El. 606, 1213, Jul. 83, Cri. 399. Durch die nachstellung der praepositicm fällt auf diese der haupt- ton, und so kann sie den reinistab im verse allein tragen, während die vorangestellte praeposition nur mitreimen kann; nebenbei auch in nicht reimender hebung An. 424. Der fall, dass die vorangestellte praeposition, sei es im ersten oder zweiten halbverse, den reim allein trägt, kommt nur im An. vor, so 1176, 1237, 1549, in (;W. fand sich kein derartiges beispiel. Dass in den angeführten versen auf der praeposition ein besondererer uachdruck liege, will uüs nicht einleuchten. Eine besondere bemerkung verdient die praeposition Id mit folgen- dem Infinitiv. Im An. wird diese construction verhältnismässig öfter angewendet, als in CW., es fehlt aber ein gebrauch, den dieser aufweist. ') Es entfallen auf je loo präpositionen: on lo in tifer mid Jnirli of zus. im An. 28 14—15 s s 7 6—7 6 79. in CW. 19 1] 16 4 7 7 3 67. 486 FRITZSCHE, Während nämlich im An. nach tu der inf. stets flectiert wird und meist auch nicht das einfache verbum , sondern das compositum mit ^e- steht, z. b. in ^"e-secanne (ohne dies praefix nur 23, 1162, US.'i), hat Cy. an mehreren steilen nach td einen unflectierten infinitiv, und zwar stets ohne ge , so wie dies auch bei flectiertem intinitiv in CW. öfter fehlt, als im An. Wieder einige jener kleinen und scheinbar unbedeutenden, in ihrer gesamtzahl aber schwer in's gewicht fallenden Verschiedenheiten zwischen CW.und An. Der Wortschatz. Zunächst noch einiges über das präfix ^e. Es ist zu be- merkeUj dass dasselbe im An. häufiger verwendet wird; wäh- rend Cy. von Verben mit diesem praefix meist nur das praeteri- tum und participium praeteriti gebraucht, finden sich im An. auch häufiger praesentia und infinitive mit diesem ^e. — Das participium ohne ge, das in CW. immerhin noch in ziemlicher anzahl vorhanden ist, verscliwindet im An. bis auf wenige fälle gänzlich, so dass es fast den anschein gewinnt, als sei dasselbe nun schon integrierender bestandteil des particips geworden. In vielen fällen gewinnt der versbau des An. durch Verwen- dung dieses praefixes einen mehr dactylischen, gefälligeren lythmus, in dem durch Setzung desselben auf eine hebung zwei Senkungen folgen, so vers 175 sit5e gesican. Diese unter- schiede auf rechnung des Schreibers setzen zu wollen, ist des- halb nicht geboten, weil gerade Au. und El., die sich in dem- selben codex von derselben band geschrieben finden, hier den grösten unterschied aufweisen. Um uns den Wortschatz an verben überhaupt zu vergegen- wärtigen, müssen wir eine kleine rechnung anstellen. Cy. ver- wendet fast 900 verschiedene verben, c. 460 simplicia, c. 420 composita, zusammengesetzt mit and-, an-, ä-, oet-, be-, bi-, (cod. Exon. meist bi-, cod. Verc. meist be-) for-, ge-, in-, ob-, ofer-, an-, td- , pnrh- , undei^-, rviti-, ymb-. An. hat c. 50O verben, zur hälftc simplicia (260). Von den 460 einfachen verben, die Cy. anwendet, finden sich 160 auch im An., und so bleiben 100 verl)en übrig, die Cy. nicht hat, andrerseits fehlen 300 einfache verben des Cy., so dass sich neben einer nur anzuerkennenden Vermehrung des Wortschatzes auf der einen seile, auch andrerseits eine nicht unbedeutende Verän- derung desselben herausstellt, d. h. es finden sich im An. eine reihe von verben, die den CW. fehlen, und andrerseits fehlt dem ÜBER ANDREAS. 487 An. eine erkleeklielie anzabl solclicr, die Cy, verwendet. Mit den verl)is compositis ist das vcrliältnis filmlicli. -.Von den -120 verbis compositis des Cy. sind ung-efäliv "200 ndt ^e zn- sammengesetzt, von den 240 des An. c. 120 (es widerstreitet dies durchaus nicht der angäbe, dass das praetix ^c im An. öfter verwendet wird , jedes der mit ge zusanimengcsetzten Verben wird durchschnittlich öfter verwendet.) Von diesen 120 verben sind nicht weniger als 30, die sich nicht in CM', finden. Von den verbis compositis gehen wir über zu den substan- tivis compositis. Eine einfache noch in ihrer ausbildung begrift'ene spräche wird vorzugsweise nur einfache wöiter verwenden, und so wird auch der dichter beim beginn seiner dichterischen lauf- bahn einfacher und weniger gewählt sich ausdrücken, als spä- ter, wenn er die ])oetisclie sprnche vollständig in seiner gewalt hat. So zeig