eferierender form und in weniger ergreifenden Worten wiedergegeben finden. Werfen wir nun einen rttckblick auf die resultate, die wir bei der vergleichenden betrachtung der ersten ca. hundert verse gewonnen haben, so ersehen wir, dass nicht ein einziger vers Chaucer's eine wörtliche Übersetzung erfahren hat, dass Dryden vielmehr, den gedankengang seines Vorbildes im ganzen bei- behaltend, bei der ausführung mit ziemlich grosser freiheit zu werke gegangen ist. Dryden selbst kündigt, wie wir in der vorrede gesehen haben , an , dass er sich an keine wörtliche Übersetzung gebunden habe, und dies bestätigt sich in der vor- aufgeheuden vergleichuug vollständig. Auf mich hat diese erste der Fahles bei der besonders eingehenden und mehrmals vorgenommenen vergleichuug mit ihrem originale allmählich den eindruck gemacht, als sei Dryden bei der Übertragung so zu werke gegangen, dass er jedesmal einen kleinen abschnitt von ca. 6 — 10 zeilen des Originals ein oder mehrere male durchgegangen, den sinn desselben festgehalten und ihn dann, hin und wieder auf sein vorbild zurückblickend, übertragen habe. Um nun von einer fortsetzung der subtilen vergleichung, wie wir sie an dem ersten abschnitte der erzählung vorge- 22* ^30 SCHÖPKE, nomraen, deshalb abzusehen, weil eine solche für den leser nichts mehr als ermüdend und der aus ihr hervorspringende nutzen der mühe, mit der sie verbunden, durchaus nicht an- gemessen sein würde, so wollen wir in der folge nur die her- vorragenderen unterschiede zwischen original und Übertragung anführen. Diesselben lassen sich gruppieren in a) weglassungen, b) einschiebungen, c) detaillierungen. Die erste der mit a) angedeuteten weglassungen findet sich in der beschreibung des Venustemj^els, welchen Theseus an der ostseite des kampfplatzes hatte errichten lassen: Bei Ch. finden wir an den wänden des tempels neben vielen anderen maiereien auch die figuren des starken Hercules, des tapferen Turnus und des reichen Crösus (v. 1082 — 1088): 'Nought was foiyete; the porter Ydelnes, Ne Narcisus the fayr of yore agon, Ne yet the foly of kyng Saloinon, Ne eek the grete strengthe of him Hercules, Thenchauntementz of Medea and Cerces, Ne of Turnus the fuyry corage, The riche Cresus caytif in servage.' Bei Dr. finden wir an der nämlichen stelle die figuren des Turnus und des Crösus nicht berücksichtigt und für den Her- cules den Simson untergeschoben (v. 1110 — 1116): 'Before the palace-gate, in careless dress And loose array sat porter Idleuess: There, by the fount, Narcissus pin'd alone; There Samson was; with wiser Salomon, And all the mighty names by love undone. Medea's charms were there, Circean feasts, With bowls that turn'd enamour'd youths to beasts.' Ein zweites beispiel bietet sich dar in der beschreibung des auf der Westseite der turnierschranken errichteten Mais- tempels: Ch. erzählt von der statue des Mars, dass ein wolf ihm zu füssen lag, mit roten äugen und an einem menschen fressend (v. 1183—1190): 'The Statue of Mars upon a carte stood, Armed, and lokede gryni as lie were wood, And over his iioed ther acliyneth two figures Of sterres, that been cleped in scriptures, That oon Puella, that othur Kubius. ÜBER DRYDEN. 331 This god of armes was arrayed thus. A Avolf ther stood byforn hiiii at his feet With eyen reed, and of a man he eet.' Dryden hat diesen letzten, gerade recht entsetzend wirkenden zug-, sonderbarer weise übergangen (v. 1222 — 1226): 'The form of Mars high on a chariot stood, All sheath'd in arms, and gruffly Jook'd the god: Two geomantic figui-es were display'd Above his head, a warrior and a maid, One when direct, and one when retrograde. Es wurden ferner ferner weggelassen: Ch. V. 1081 (ef. Dr. v. 1108 und 1109), Ch. V. 2249 und 50 (cf. Dr. schluss). Das Verhältnis zwischen original und Übertragung in bezug auf den äusseren umfang lässt schon vermuten, dass Dryden bei weitem mehr hinzugedichtet als weggelassen hat. Und in der tat ist die zahl der neu hinzugekommenen stellen bedeu- tend grösser als die der erwähnten weglassungen. Zunächst liebt es der dichter, hier und da vergleiche ein- zuflechten, welche teils aus der natur, teils aus dem Griechi- schen göttermythus genommen sind. So vergleicht er z. b. bei der Schilderung des ersten Zweikampfes zwischen Palamon und Arcitas die schw^erter der beiden beiden mit blitzstrahlen, wo- von im original nichts zu finden ist: cf. Chaucer v. 842 — 844, Dryden v. 854—856. An einer anderen stelle vergleicht Dryden das gemüt des Theseus mit weichem metalle, indem er v. 940 — 42 erzählt: 'But soon his tender mind Impression feit, (As softest metals are not slow to melt, And pity soonest runs in softest minds).' Bei Ch. würden wir nach diesem vergleiche vergeblich suchen; die stelle lautet bei ihm (v. 902 und 903): 'Til atte laste aslaked was his mood; For pite renneth sone in gentil herte.' In der antwort, die Palamon seinem vetter auf die frage, worüber er so heftig erschrocken sei, gibt, vergleicht sich ersterer, weil ihm der anblick der Emilia ein so unverhoffter gewesen war, mit Aktäon, und diese infolge ihrer majestä- tischen erscheinung mit der Juno (Dr. v. 253 — 61): 'But when my mortal anguish caus'd my cry, That moment I was hurt through either eye; 332 SCHÖPKE, Piei'c'd with a, randorn shaft, I faint away, And perish with insensible decay: A glance of some new goddess gave the wound, Whom, like Acteon, unaware I found. Not Juno moves with more majestic grace; And all the Cyprian queen is in her face. Beide vergleiche sind in der Übertragung neu hinzuge- kommen. Cf. Chaucer y. 238—244. Ein vergleich zwischen der erscheinung des Emetrius, des königs von Indien und edelsten ritters im gefolge des Arcitas, und derjenigen des Bacchus findet sich bei Dr. v. 1373 — 76: 'Before the king tarne leopardes led the way And troops of lions innocently play. So Bacchus through the conquer'd Indies rode And beasts in gambols frisk'd before their honest god'. Die betreifende, dieses Vergleiches entbehrende stelle des or. lautet (v. 1327 und 28): 'Aboute the kyng ther ran on every part Ful many a tarne lyoun and lepart.' Eine ziemlich grosse anzahl neuer gedanken verschiedener art hat Dryden in den gröi>seren beschreibenden partieen ein- geflochten, welche dadurch meist an lebhaftigkeit und manuig- faltigkeit gewonnen haben. Während z. b. in betreff des auf dem östlichen marmor- tore errichteten altars in der erzählung des ritters berichtet wird V. 1045—1047: 'He est-ward hath upon the gate above In worschip of Venus, goddes of love, Don make an auter and an oratory' — so finden wir in der Übertragung an der betreffenden stelle auf jeder seite des altars einen priester, einen rosenkranz auf dem haupte und einen myrtenzweig in der band tragend V. 1008—1071: 'Theu o'er its eastern gate was rais'd above A temple sacred to the Queen of Love; An altar stood below: on either haud A priest with roses crown'd who lield a niyrtle wand.' An einer anderen stelle, und zwar in der beschreibung des Venustempels führt uns Dryden ausser dem im or. erwähnten berg Cithäron auch den berg Ida vor äugen. Cf. Dr. v. 1108 und 1109, Ch. v. 1078—1081. ÜBER DRYDEN. 333 Das allerbeste zeiignis für die freibeit, mit Avelcber Dr. bei der übertrag-ung bescbreibender partieeu verfabreu ist, legt die sebilderimg des Marstempels ab, welcbe neben vielen anderen mebr oder weniger bedeutenden abweicbungen beson- ders mehrere neu hinzugekommene züge enthält. Es sollen die betreffenden verse hier angeführt und dabei die bei Ch. fehlenden züge eingeklammert werden. Dr. v. 1134 ff. (cf. Ch. 1109 ff.): 'But in the dorne of mighty Mars the red 1135. With different figures all the sides were spread^ This temple, (less in form, with equal grace,) Was imitative of the first in Thrace: For that cold region was the lov'd abode, And sovereign mansion of the warrior god. 1140. The landscape was a forest wide and bare; Where neither beast nor human kind repair; (The fowl, that scent afar, the borders fly, And shun the bitter blast, and wheel about the sky.) (A cake of scurf lies baking on the ground,) 11-15. And prickly stubs, instead of trees, are found; Or woods with knots and knares deform'd and old; Headless the most, and hideous to behold: A rattling tempest through the branches went, That stripp'd 'em bare, and one sole way they bent. 1150. (Heaven froze above, severe, the clouds congeal, And through the crystal vault appear'd the standing hail.) Such was the face without: a mountain stood Threat'ning from high, and overlook'd the wood: Beneath the low'ring brow, and on a bent, 1155. The temple stood of Mars armipotent: The frame of burnish'd steel, that cast a glare From fai-, (and seem'd to thaw the freezing air.) A straight long entry to the temple led, Blind with high walls, and horror overhead: 1160. Thence issued such a blast, and hollow roar, As threaten'd from the hinge to heave the door; In through that door, a northern light there shone; 'T was all it had, for Windows there were none. The gate was adamant-, eternal frame! 1165. (Which, hew'd by Mars himself, from Indian quarries came, The labor of a god; and all along Tough iron plates were clench'd to make it strong.) A tun about was every pillar there; (A polish'd mirror shone not half so clear.) ino. There saw I how the secret felon wrought, And treason labouring in the traitor's thought, 334 SCHÖPKE, (And midwife Time tlie ripeu'd plut to inurder brought.) There the red Auger dar'd the pallid Fear; (Next stood Hypocrisy with holy leer;) 1175. Soft smiling, and demurely looking down; But hid the dagger underneath the gown : Tlie assassinating wife, the household fieud; And far the blackest there, the traitor friend. On th'other side there stood Destruction bare; 1180. ünpunish'd Rapine, and a waste of war. Contest with sharpen'd knives, (in cloisters drawn), And all with blood bespread the holy lawn' etc. Mit dem in v. 1181 abgeschossenen pfeile zielt Dryden oöeubar auf die zügellose Wirtschaft in den klösteru ab. Einer aus den persönlichen Verhältnissen des dichters her- vorgegangenen eingeschobenen stelle begegnen wir bei Dryden am ende der Schilderungen der drei innerhalb der turnier- schranken errichteten heiligt iimer, wo es v. 1269 — 72 heisst: 'Theseus beheld the fanes of every god, And thought his mighty cost was well bestow'd: So prinees now their poets should regard; But few can write and fewer can reward.' Die beiden letzten verse sind offenbar seufzer aus der eigenen brüst des dichters, dem eine seinen leistiingen und Verdiensten angemessene anerkennung von selten des Englischen hofes nie zu teil geworden ist. Wir werden hierüber näher unterrichtet in Hume's 'History of England', wo von Karl IL erzählt wird: 'The advantage, which the royal cause received from Butler's Hudibras, in exposing the fanaticism and false pretence of the for- mer parliamentary party, was prodigious. The king himself had so good a taste as to be highly pleased with the merit of the work, and had eveu got a great part of it by heart ; yet was he cither too careless in his temper, or so little endowed with the vir tue of libe- rality, or, more properly speaking, of gratitude, that he allowed the author, a man of virtue and probity, to live in obscurity, and die in want. Dryden is an instance of a negligence of the same kind. His Absaloiu sensibly contributed to the victory, which the Tones ubtained over the Wliigs, after the exclusiou parliameuts; yet could not this merit, aided by his great genius, procurc him an establishment, which might exempt him from the necessitj- of writing for bread. Otway, though a professed royalist, could uot even procure bread by his writings; and he had the Singular fate of dying literally of hunger. These incidents throw a great stain on the memory of l'harles 11, wiio had discernment, loved genius, was liberal of money, but attained not the praise of true generosity.' ÜBER DRYDEX. 335 Weitcic neu liinzugekommene stellen finden sich hei Dryden noch : V. 1231 und 1232 (cf. Ch. 1193 ff.), „ 1863—1868 (cf. Ch. 1740 ff.), „ 2342—2353 (cf. Ch. 2166 ff.), „ 2417—2423 (cf. Ch. 223!) ff.), „ 2430 und 2431 (cf. Ch. schluss). Die dritte die Übertragung- von ihrem original unterschei- dende eigentiimlichkeit jener besteht in einer anzahl von detail- malereien. Dryden liebt es n